Zehn Thesen zur Interdependenz von Fiskal-, Geld- und Bodenpolitik

Anmerkung der Redaktion: Auf unserer Veranstaltung Bausteine einer Neuen Geldordnung haben wir mit David Kapfer über die Rolle des Bodenwertes diskutiert. Wir waren uns schnell darüber im Klaren, dass zu diesem Thema noch viel Klärungsbedarf herrscht. Im folgenden seine 10 Thesen dazu:


These 1: Bodenrente (aus Sicht des Eigentümers) ist Differenz zwischen der Profitabilität des am Weitesten entfernten Standorts und dem in bester Standortlage. Eigentümer erzielt höhere Pachten in besseren Lagen (Standorteigentum = Rentenquelle).
These 2: Zusammenhang zwischen Standortrente r und Geldordnung: der Verkaufspreis einer Rentenquelle V hängt vom Zins i ab und den Haltekosten der Rentenquelle (z.B. Bodenwertsteuer t). V = r / (i+t). Folge 1: Sinkt der Zins, erhöht sich der Verkaufspreis. Bodeneigentum ist eine Anlageform, die besonders bei sinkenden Zinsen hochrentabel ist. Folge 2: Bei sinkendem Zins flüchten Investoren aus produktiven Kapitalanlagen in Rentenquellenanlagen, sodass Investition in volkswirtschaftlich sinnvollen Projekten fehlt.
These 3: Der Wert der Bodenrente entsteht durch öffentliche Investition (z.B. Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen, Regulierung). (Henry-George-Theorem Teil 1) Folge: Bei privatem Eigentum an Boden (und ungenügenden Steuern auf Bodeneigentum) werden die Früchte der öffentlichen Investition privatisiert und die Kosten trägt die Allgemeinheit.
These 4: Die Rückführung der Bodenrente an die öffentliche Hand könnte diese Investitionen vollständig refinanzieren (Henry-George-Theorem Teil 2).
These 5 (Gaffney 2009): Alle Steuern auf Arbeitseinkommen (Faktorkosten für Arbeit) und Zinsen auf produktives Kapital (Faktorkosten auf Kapital i.e.S.) senken die volkswirtschaftliche Gesamtleistung, senken die Bodenrente, senken die Beschäftigungsrate und den produktiven Kapitaleinsatz.
These 6 (Gaffney 2009 / Löhr 2013): Lösung ist der „Tax Shift“: kaum Steuern mehr auf Faktoren Arbeit und Kapital und statt dessen nahezu vollständige Abschöpfung und Rückführung der Bodenrente (George 1885 „single tax“).
These 7: Jeder Wirtschaftsraum hat eine Zentralisierungsdynamik, d.h. es gibt ein raumwirtschaftliches Zentrum mit hohen Bodenrenten und eine schwache Peripherie. Folge: Je größer der Wirtschaftsraum, desto schwächer die Peripherie und desto stärker das Zentrum oder die Zentren. Beispiel Europa Pentagramm (raumwirtschaftliches Fünfeck).
These 8: Ein Wirtschaftsraum bestimmt sich heute weniger durch geographische oder Staatsgrenzen, sondern durch „Handelsbarrieren“ wie Währungsunterschiede, Zölle, Regularienunterschiede (insgesamt Transaktionskosten).
These 9 („Spiegelbildhypothese“, Löhr 2014): Der Kern des Profits von Konzernen ist ihr Standortvorteil (Besitz an Rentenquellen als struktureller Wettbewerbsvorteil). Folge: sie sind die Gewinner von steigenden Bodenrenten im Zentrum, während kleinere und mittlere Unternehmen durch größeren Wettbewerb verdrängt werden.
These 10: Je kleiner der Wirtschaftsraum (Währungsraum), desto geringer die Ungleichheit durch Standortvorteile an Rentenquelleneigentum; dementsprechend höher die regionale Resilienz. Folge: Wir brauchen kleinere Währungsräume in Krisenzeiten!

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