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Kris Kunst – Bausteine einer neuen Geldordnung

Diesen Monat bei den Bausteinen wird uns Kris Kunst, Mitautor des Buches “Das dienende Geld” der Akademie Solidarische Ökonomie, seine Vorstellung und Ausgestaltung einer demokratisch legitimierten Monetative vorstellen. Er sieht den Staat im heutigen System der Geldschöpfung als nachrrangigen Empfänger des Geldes, der nur begrenzte Kontrolle ausüben kann. Kunst möchte daher eine direkte Finanzierung des Staates durch die Zentralbank einführen und damit dessen Abhängigkeit von der Privatwirtschaft und deren Steuern auflösen sowie sich von den Finanzmärkten loslösen. Dies ermögliche eine Wiedereinführung des Primats der Politik, die dann insbesondere auch durch verschiedene Ansatzpunkte neuer Formen von Demokratie legitimiert würde, welche auch für die Monetative gewährleisten soll, dass der Staat sich nicht willkürlich bedient.

Gerne sind Sie eingeladen, sich nach einem interessanten Vortrag an der anschließenden Diskussion zu beteiligen.

Mehr zum Vortrag von Kris Kunst hier …

Horst Seiffert – Bausteine einer Neuen Geldordnung

Wir freuen uns, im November Horst Seiffert bei unserer Veranstaltungsreihe “Bausteine einer neuen Geldordnung” begrüßen zu dürfen. Horst Seiffert, geboren 1952, arbeitete als Projekt und Entwicklungs-Ingenieur im Elektroanlagenbau und ist seit 1992 selbstständig im IT-Service tätig. Mit dem Geldsystem beschäftigt er sich seit 2005. Den Anstoß dazu gaben ihm die allgemeinbildenden Vorträge von Prof. Bernd Senf an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin.

Die Erkenntnisse seiner darauffolgenden Untersuchungen veröffentlichte er 2012 in seinem Buch Geldschöpfung – Die verborgene Macht der Banken. Auf seiner Website www.horstseiffert.de fasst er selbst seine zentralen Erkenntnisse kurz zusammen:

” Vorteilsnahme durch Geldschöpfung

Banken schöpfen Geld aus ihrer Sicht wie aus dem Nichts, um es für eigene Zwecke zu verwenden. Das bedeutet, Banken können, wenn sie sich ein Gebäude kaufen oder Boni an Mitarbeiter und Vorstände auszahlen wollen, das Geld dafür leistungslos aus dem “Nichts” schöpfen. Man mag es kaum glauben. Der normale Bürger bekommt nur Geld, wenn er eine entsprechende Leistung erbringt. Banken dagegen können Geld durch einen Schreibvorgang aus dem “Nichts” entstehen lassen. Diese Vorteilsnahme ist besonders ein Privileg der großen Banken, denn sie profitieren in großem Maße von der Struktur unseres heutigen Geldsystems. Der Schlüssel dafür ist der Ausgleich der globalen Zahlungsströme zwischen den Banken. Dieses Prinzip nenne ich kooperative Geldschöpfung.

Sanktionierte Bilanztäuschung

Banken legitimieren ihre Vorteilsnahmen mittels gesetzlich sanktionierter Bilanztäuschung. Der tatsächliche Geschäftserfolg einer Bank weicht von dem gegenüber der Öffentlichkeit dargestellten in Größenordnungen ab. Die Bilanz einer Bank dient der Verschleierung ihrer Vorteilsnahmen. Die Bankpaläste, die aus Sicht der Bank zum größten Teil mit aus dem Nichts geschöpften Giralgeld erworben wurden, werden in der Bilanz so dargestellt, als würden sie noch vollständig bezahlt werden. Nicht zurückgezahlte Kredite werden in der Bilanz als Verlust ausgewiesen, obwohl sich die Kreditausfälle zwischen den Banken zum großen Teil kompensieren. Ähnlich verhält es sich mit den Zinsaufwendungen, die an die Sparer gezahlt werden. Diese sind durch den Kompensationseffekt zwischen den Banken wesentlich geringer, als in der Bilanz dargestellt.

Einflussnahme auf die Gesellschaft

Den Banken wurden von der Gesellschaft die Freiräume gegeben, selbst Geld zu schöpfen. Das ist ein Sonderprivileg, mit dem sie sich nicht nur bereichern, sondern mit selbst geschöpftem Geld die Gesellschaft gestalten können. Sie haben es in der Hand, den Staat bei seinen Konjunkturprogrammen zu entlasten oder nicht. Drosseln sie die Giralgeldschöpfung, so muss der Staat den Geldhahn über Kreditaufnahme weiter aufdrehen. Steigern sie dagegen die Giralgeldschöpfung, so können die Banken anstelle des Staates ihre eigenen “Konjunkturprogramme” für die Wirtschaft auflegen. Dabei haben sie es in der Hand, den Kreis der Begünstigten selbst zu bestimmen. Somit können private Banken über das Geld Staat und Gesellschaft fast nach Belieben manipulieren. Darüber hinaus ist es ihnen über die Giralgeldschöpfung möglich, eine Dynamik der Verschuldung voranzutreiben, in deren Verlauf die Gesellschaft in Arme und Reiche gespalten wird.

Vorschlag für ein neues Geldsystem

Wie kann ein Geldsystem gestaltet sein, welches nicht manipuliert und für ungerechtfertigte Vorteilsnahmen missbraucht werden kann? Um Geldmanipulationen zu verhindern, müssen die drei grundsätzlichen Fehler des heutigen Geldsystems beseitigt werden.

  • Geschäftsbanken können, wenn sie im Gleichschritt agieren, Giralgeld aus ihrer Sicht aus dem Nichts schöpfen und für eigene Zwecke verwenden. Hierbei entsteht immer Giralgeld in Kooperation für die Geschäftsbanken aus dem Nichts, ob sie es wollen oder nicht, es ist strukturbedingt.
  • Geschäftsbanken nehmen das Geld ihrer Kunden in Verwahrung und geben vor, das Geld in der Wirtschaft und am Kapitalmarkt anzulegen, benutzen aber einen Großteil dieses Geldes für eigene Zwecke.
  • Geschäftsbanken nutzen die Mechanismen des Zinssystems zur Einflussnahme auf die Gesellschaft. Es kommt zu einer dauerhaft steigenden Verschuldung der Realwirtschaft und des Staates sowie deren Abhängigkeit von den Geschäftsbanken und den dahinterstehenden Vermögenden.

In dem Buch “Geldschöpfung – Die verborgene Macht der Banken” stelle ich einen Vorschlag für eine Neuordnung des Geldsystems zur Diskussion.  

 

 – Alle Informationen und Beiträge entnommen aus www.horstseiffert.de –

Klaus Simon – Bausteine einer Neuen Geldordnung

Klaus Simon: Geldsystem und Wachstumszwang

Klaus Simon von der Akademie Solidarische Ökonomie spricht über das Thema “Geldsystem und Wachstumszwang” im Rahmen der NGO-Reihe “Bausteine einer neuen Geldordnung”.

Woher kommt der Wachstumszwang im kapitalistischen System, ist er eine Folge des herrschenden Geldsystems? Wie viel Giralgeld steht dem Bargeldumlauf in Wahrheit gegenüber? Entwickelt sich die Geldmenge exponentiell? Schaffen Geschäftsbanken zu viel Giralgeld? Woher kam das Spekulationsgeld der Banken während der Finanzkrise und warum sieht man es in der Geldmenge nicht?

Diesen und ähnlichen Fragen geht der Vortrag auf den Grund. Dabei werden verschiedene Auffassungen rund um das Geld überblickhaft diskutiert und der tatsächlichen Entwicklung in Deutschland gegenübergestellt. Dies geschieht anhand zahlreicher Grafiken auf der Grundlage von Bundesbankdaten. Trotz der als schwierig geltenden Thematik sind die Ausführungen leicht verständlich und fanden auf der Degrowth-Konferenz in Leipzig ein sehr positives Echo.
Klaus Simon ist Informatiker und seit 2009 Mitglied der Akademie Solidarische Ökonomie. Aktuelle Veröffentlichungen: “Grundfehler des herrschenden Geldsystems” (in “Das dienende Geld”, Oekom 2013) sowie “Zwickmühle Kapitalismus” (Tectum 2014).

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