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Prof. Dr. Udo Reifner: Geld ist nur eine zirkulationsfähige Forderung

eine Veranstaltung im Rahmen der Hochschultage Erfurt „Was ist Geld?“

die von der Hochschulgruppe und dem Verein Impuls. Plural denken – Ökonomik gestalten e.V. veranstaltet werden

http://www.aktionswoche-schuldnerberatung.de/archiv2010/wp-content/uploads/2010/06/Reiffner.jpgAm Mittwoch, den 4.11. um 18.00 Uhr wird Prof. Dr. Udo Reifner die Veranstaltungsreihe mit einem Vortrag zum Thema „Geld ist nur eine zirkulationsfähige Forderung“ fortsetzen. Reifner ist Jurist und Soziologe und war, im Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg, Professor für Wirtschaftsrecht. Er ist Direktor des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen e.V. (iff) und seit 2012 Professor an der Università degli Studi di Trento (Italien). Als kurzer Vorgeschmack kann dieser kleine Text des Autors zum Vortrag dienen:

„Das Geldsystem scheint ohne Rücksicht auf verfassungsrechtliche Vorgaben Befehle zu erteilen, die Gehorsam erheischen. Was macht das Geld so mächtig? Die Antwort müsste seit der Regulierung von Geldschulden im Codex Hammurabi zwischen 1848 und 1806 vor Christi Geburt vielfach nachlesbar sein. Doch man wird enttäuscht. Es gibt viel Nachdenkliches darüber, was Geld in der Gesellschaft, in menschlichen Beziehungen, in Gefühl und Charakter bewirkt. Seine Namen und Gestalten, sein Glanz und seine Ausstrahlung, seine Hässlichkeit und sein Reiz, seine Tugenden wie Sparsamkeit und Rationalität, seine Untugenden wie Geiz und Habsucht, seine Entstehung und Vernichtung, seine Menge und sein Wert – alles ist unzählige Male Gegenstand wissenschaftlicher wie literarischer Darstellung gewesen. Doch was ist es? Wir wagen die Antwort: Geld ist eine zirkulationsfähige Forderung. Als Forderung braucht sie die Durchsetzungskraft des Rechts und seines Machtapparats im Staat. Ob die Forderung privat oder öffentlich geschaffen wurde ist gleichgültig. Wichtig aber ist ihre Zirkulationsfähigkeit. Hierfür braucht sie das Vertrauen der Akzeptanten. Das ist unproblematisch, wo man von der Werthaltigkeit der Forderung weiß. Dafür ist ein Schuldner notwendig, der bereit und in der Lage ist, die Forderung mit den realen Werten zu unterlegen, die das Geld zu repräsentieren vorgibt. Doch das Geld ist immer auch Kredit. Die Einlösung der Forderung liegt in der Zukunft. Wer die Zukunft nicht voraussehen kann muss vertrauen. Doch ist das Vertrauen noch gerechtfertigt?“

Die Hochschultage finden in Kooperation mit der Stabstelle für Nachhaltigkeit der Stadt Erfurt, dem Sender Radio F.R.E.I., der Heinrich-Böll-Stiftung, der Global-Marshall-Plan Initiative, dem Studierendenrat sowie den Fachschaftsräten für Staatswissenschaften, Geschichte, Philosophie und katholische Theologie der Universität Erfurt statt.

Geld und Tausch

Eine interdisziplinäre Perspektive auf Geld in verschiedenen Gesellschaften

eine Veranstaltung im Rahmen der Hochschultage Erfurt „Was ist Geld?“

die von der Hochschulgruppe und dem Verein Impuls. Plural denken – Ökonomik gestalten e.V. veranstaltet werden.

Der Vortrag von Dr. Lars Bräutigam dient dabei als Auftaktvortrag für alle kommenden Veranstaltungen und findet im historischen Rathausfestsaal statt.

“In den Wirtschaftswissenschaften wird modernes Geld von primitiven Zahlungsmitteln eindeutig abgegrenzt. Der Einfluss der ökonomischen Geldtheorie auf die Betrachtung des Geldes und der Geldfunktionen beeinträchtigt dabei historische, ethnologische/anthropologische und soziologische Ansätze zu seiner Erforschung und Bestimmung. Bei eingehender Betrachtung erscheinen jedoch die theoretischen Grundlagen der ökonomischen Geldtheorie – vor allem ihre Auffassung des Tausches – für eine strikte Abgrenzung modernen Geldes fragwürdig. Der Vortrag umreist den gegenwärtigen Zustand der funktionstheoretischen Geldbetrachtung und stellt einen Ansatz vor, der die Gemeinsamkeiten primitiven und modernen Geldes im Kontext von unterschiedlichen gesellschaftlichen Tauschmustern zu erklären versucht.”

Dr. Lars Bräutigam ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft der Johannes Kepler Universität Linz und Autor des Buches “Geld, Macht und Herrschaft – Zur Kritik des Geldbegriffes und des interdisziplinären Gelddiskurses”.

Die Hochschultage finden in Kooperation mit der Stabstelle für Nachhaltigkeit der Stadt Erfurt, dem Sender Radio F.R.E.I., der Heinrich-Böll-Stiftung, der Global-Marshall-Plan Initiative, dem Studierendenrat sowie den Fachschaftsräten für Staatswissenschaften, Geschichte, Philosophie und katholische Theologie der Universität Erfurt statt.