Archiv der Kategorie: Allgemein

Video: Mit der EZB das Klima retten? Green New Deal statt Schuldenbremse! |

Am Montag 21.10.2019 fand in der Universität Hamburg ein Podiumsgespräch zu diesem Thema statt mit Dr. Dirk Ehnts (Ökonom und Geldtheoretiker, TU Chemnitz) und Dr. Sahra Wagenknecht (Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Bundestag), moderiert wurde die Veranstaltung von Fabio de Masi (stellvertretender Fraktions-vorsitzender der Fraktion die LINKE im Bundestag). Prof. Dr. Arne Heise (Fachbereich Sozialökonomie UHH) hielt die Begrüßungsrede.

Link zum Video.

norberthaering.de: Der Weg zur totalitären Silicon-Valley-Weltwährung

Vorwort von Norbert Häring zu seinem Buch: Schönes neues Geld.

Aus Anlass der von Facebook verkündeten Pläne für eine eigene Währung namens Libra will ich das Unterkapitel „Auf dem Weg zu einer totalitären Weltwährung“ aus meinem Buch „Schönes neues Geld“ zur Lektüre anbieten. Es ist an Amazon entlanggeschrieben, aber im Verständnis, dass Amazon ein Social-Media-Unternehmen wie Facebook schluckt oder mit ihm kooperiert. „Stellen wir uns also einen großen dominierenden Plattformbetreiber mit Banklizenz als eine Kombination aus Google, Facebook und Amazon vor, an den weltweit die meisten Marktteilnehmer verkaufen und von dem die meisten kaufen“, schreibe ich im Buch. Ich gehe auch heute davon aus, dass Amazon sich entweder an der Libra-Association beteiligen wird (was spätmöglichst bekanntgegeben würde, um die Pferde nicht noch scheuer zu machen), oder eine konkurrierende Währung entwickeln wird.

norberthaering.de: Der Weg zur totalitären Silicon-Valley-Weltwährung weiterlesen


Das neue Facebook-Geld

Vor mittlerweile ein paar Jahren wurden Fintech Start-Ups als die Zukunft der Finanzindustrie aufgebauscht. Sie würden die Banken überflüssig machen. Alles ist jetzt neu, alles digital, es braucht die alten Banken nicht mehr. Außerdem gibt es ja den Bitcoin als neue staatenunabhängige und intermediärfreie Währung.

Dass viele traditionelle Banken, gerade auch im „Technologieland“ Deutschland, in den letzten 20 Jahren ein ineffizientes, nur an kurzfristigen Kosten orientiertes IT-Management betrieben und Fintechs in technischer Hinsicht leichtes Spiel hatten – geschenkt. Dennoch verschwanden die meisten Fintechs wieder, andere wurden von Banken übernommen und nur ein paar wenige wie N26 wuchsen auf eine erfolgversprechende Größe, beantragten dann aber selbst eine Banklizenz. Der Bitcoin sorgt zwar nach wie vor für Schlagzeilen, aber es wird immer klarer, dass er niemals die Währungen auch nur halbwegs funktionsfähiger Staaten ersetzen kann. Nachdem nun also der erste Nebel um den Hype sich gelegt hat, erscheint nun plötzlich doch noch ein Projekt am neuen digitalen Horizont, das in der Tat einen Unterschied machen könnte: Der Libra – Facebooks ambitioniertes Währungsprojekt.


Das neue Facebook-Geld weiterlesen

Modern Monetary Theory (MMT): Dirk Ehnts „Modern Monetary Theory“ und Europäische Makroökonomie

veröffentlicht in: Berliner Debatte Initial 28 (2017) 3
Dirk Ehnts

„Modern Monetary Theory“
und Europäische Makroökonomie

In jüngster Zeit etabliert sich eine neue mak-
roökonomische Denkschule, die aus den USA
kommend als „Modern Monetary Theory“
bezeichnet wird. Das auch unter der Abkürzung
MMT bekannte Theoriegebäude bekommt
inzwischen zunehmend Aufmerksamkeit.1
Mit Stephanie Kelton war eine der führenden
MMT-Ökonomen Beraterin des US-Präsident-
schaftskandidaten Bernie Sanders. Öffentlich
bekannt ist auch Pavlina Tcherneva mit ihren
wissenschaftlichen Studien zu ökonomischer
Ungleichheit. Dieser Artikel enthält eine
kurze Darstellung der MMT, in der auch die
wichtigsten Kritikpunkte behandelt werden.
Mein Buch dazu ist momentan die einzige
deutschsprachige Darstellung dieser Theorie
mit Bezug auf die Eurozone.2
Die entscheidenden Innovationen von
MMT sind die Kombination von endogener
Kreditschöpfung (Banken schaffen Giralgeld
aus dem Nichts) und einer chartalistischen
Sicht (Zentralbanken schaffen Zentralbankgeld
aus dem Nichts) in Verbindung mit einer Ma-
kroökonomie, die sich strikt auf Einnahmen/
Ausgaben und die damit verbundene Verän-
derung der finanziellen Nettoverschuldung
der Sektoren Haushalte, Unternehmen, Staat
und Ausland fokussiert. Zentral sind dabei
Buchungssätze, die insbesondere die Ver-
schränkung von Giralgeld und Zentralbankgeld
erklären. Mithilfe der MMT sind Geld- und
Finanzsystem einfach(er) zu verstehen und
auch der Übergang zur Makroökonomie ist
flüssiger als bei anderen Theorien. Wesentliche
Erkenntnis: der moderne Staat, bestehend aus
Regierung und Zentralbank, kann unbegrenzt
Ausgaben tätigen, sollte diese Fähigkeit aber
hauptsächlich zur Erreichung von Vollbeschäf-
tigung einsetzen.

Modern Monetary Theory (MMT): Dirk Ehnts „Modern Monetary Theory“ und Europäische Makroökonomie weiterlesen