Die Welt ist voller verschiedener Währungen

Wie ist der Austausch der Währungen organisiert? Wie ist die Infrastruktur auf dem das Geld zwischen Ländern und Kontinenten hin- und her rutscht? Fährt das Geld auf Lastwagen in Säcke gepackt über die Grenzen? Fahren die Lastwagen über Autobahnen, Bundesstraßen. Landstraßen oder Feldwegen?

An jeder Grenze steht ja ein Grenzhäuschen. Dort müssen die Währungen bei Grenzüberschreitung ja aus dem Beutel ausgepackt werden und in heimische Währung umgetauscht werden. Ganz schön viel Arbeit.

So entstanden bereits im Mittelalter Banken in den großen Messestädten. Der Messereisende aus Paris war es leid auf der Reise beraubt zu werden. Wenn er nicht überfallen wurde, warteten die nächsten „Räuber“ an der Messe selbst, nämlich die Geldwechsler. Sie tauschten das französische Geld in deutsches, messetaugliches Geld um, schnitten sich aber eine dicke „Bearbeitungsgebühr“ heraus. Also Geld über Grenzen und durch dunkle Wälder zu tragen war sehr gefährlich UND teuer.

Was man bräuchte, wäre jemand, der in Paris und in Frankfurt sitzt und ein Bürge ausstellt. Dadurch löst sich der tatsächliche Transport von Geld auf. So entstanden Banken! Der Messereisende hatte ein Konto in Paris und eins in Frankfurt. Dort konnte der reisende Ein- und Auszahlungen machen. Das Risiko des Geldtransports lag nun bei der Bank.

Aber eigentlich haben die Banken das Geld nicht mehr zwischen Paris und Frankfurt hin und her transprotiert, sondern sie haben die unterschiedlichen Bargeldbestände über die Grenzen hinweg miteinander verrechnet.

Damit kommen wir zum Punkt der heutigen Infrastruktur des Geldes. Alle Banken haben heute Niederlassungen in vielen verschiedenen Ländern und verrechnen Ihre unterschiedlichen Bestände, ohne das tatsächlich zwischen den Niederlassungen Geld fließt.

Komplizierter wird es, wenn unterschiedliche Banken in unterschiedlichen Ländern miteinander handeln.

a) 2 Banken handeln Geld miteinander im Inland. Hier würde tatsächlich Geld von Band A zur Bank B transportiert. Damit das Geld aber nicht ständig über die Straßen kutschiert werden muss haben alle inländischen Banken ein Verrechnungskonto bei der Zentralbank. Weile eine Bank mit ganz vielen anderen Banken mehrmals am Tag hin- und her handelt sind die Positionen von Kauf und Verkauf am Ende des Tages sogar oft ausgeglichen. So schnell kann Geld gar nicht hin und her transportiert werden. Gleichzeitig können sich die Banken sicher, dass die Bank mit der sie handeln eine „sichere“ Bank ist, weil sie ein Verrechnungskonto bei der Zentralbank besitzt. Die Zentralbank dient also nicht nur dem schnellen Austausch von Geld, sondern sie ist auch eine Legitimator. Deshalb dauern Transaktionen im Finanzmarkt immer 2-3 Tage, denn die Handelspartner müssen sich auch legitimieren.

b) 2 Banken handeln Geld miteinander im In- und im Ausland. Hier müssen erneut Verrechnungskonten bei den Zentralbanken im In- und im Ausland liegen. Erst dann können sich die handelnden Banken sicher sein, dass der Handelspartner im Ausland kein Betrüger ist. Die Zentralbanken wiederrum haben untereinander Verrechungskonten. Denn oft kommt es vor, dass sich die gekauft und verkaufte Menge einer Landeswährung im Vergleich zu einer anderen Landeswährung ausgleichen. So kontrollieren die Zentralbanken, dass nicht zuviel der eigenen Währung ins Ausland abhaut.

Und wie handeln die Zentralbanken miteinander? Die brauchen keine Verrechnungskonten mehr um zu prüfen, ob der eine oder andere Handelspartner ein Betrüger ist. Die Zentralbanken kennen sich alle untereinander, weshalb sie binnen Stunden handeln können. Diese Handelstechnik nennt sich „Blockchain“. Hier handeln die Kontrahenten ohne Legitimation und Verrechnungskonto.

Zukunft: Viele meinen im Internet ist es möglich sich vollautomatisch zu legitimieren und mit einer virtuellen Währung zu handeln. Technisch ist das möglich. Oft kommt es aber vor, dass über Nacht an virtuellen Währungsbörsen 1/3 aller Virtuellen Münzen verschwinden. Oder ein Betrüger hat sich eine falsche Legitimation besorgt. Für diese Verluste haftet dann niemand. Deshalb wird es später eine Mischung aus virtuellen Soforthandel und Verrechnungsstellen geben, die die teilnehmenden Händler legitimieren und für sie bürgen.

Hier sprechen wir nur von den Autobahnen. Auf den Landstraßen und Feldwegen tummeln sich bereits zahllose Internethandelshäuser die unbesichert Kleinbeträge weltweit transferieren.

Jan Neynaber
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